Sich Selbst Bewusst Sein


Bewusst-Sein

Der Begriff „Bewusstsein“ hat im Sprachgebrauch eine sehr vielfältige Bedeutung. Das lateinische Wort hatte ursprünglich eher Gewissen bedeutet und wird heutzutage sehr oft in der Bedeutung von „Geist“ und/oder „Seele“ verwendet.

Ein Lebewesen, das ein Bewusstsein besitzt, nimmt nicht nur Reize auf, sondern erlebt sie auch. In diesem Sinne hat man Bewusstsein, wenn man etwa Schmerzen hat, sich freut, Farben wahrnimmt oder friert.

Neben dem phänomenalem Bewusstsein gibt es aber auch noch das gedankliche Bewusstsein. Dies hat jedes Lebewesen, welches Gedanken hat. Wer also etwas denkt, sich erinnert, plant und erwartet, dass etwas der Fall ist, hat ein solches Bewusstsein.

Und dann ist da auch noch das Selbstbewusstsein oder auch das sich selbst bewusst sein.

Ich persönlich werde den Begriff des Bewusstseins hier im Buch in der Form verwenden, dass wir eben Dinge bewusst wahr‑nehmen und uns gleichzeitig auch unserer selbst immer bewusster werden.


Bewusstsein oder bewusst sein?

Auch hier wieder zwei Bedeutungen des selben Begriffes für unterschiedliche Thematiken. Da gibt es einerseits unser Bewusstsein, unser Denken, unseren Verstand.

Dieses Bewusstsein, im Gegensatz zum Unbewussten, welches uns in unserem Leben also nicht bewusst ist, was wir nicht wahrnehmen als Teil unseres Seins, das aber trotzdem immer zugegen ist.

Dieses Bewusstsein eben als den Bereich , den wir bewusst wahrnehmen, bewusst aufnehmen, bewusst verarbeiten und welcher auch in unserem Bewusstsein abgespeichert ist.

Und dann ist da die Einstellung, uns und unserer Selbst bewusst zu sein. Auch unsere Gefühle und Bedürfnisse wahr zu nehmen und sie auch zu leben.

Bist Du Dir dessen bewusst, wer oder was Du bist?


Selbstbewusstsein oder sich selbst bewusst sein?

Normalerweise verstehen wir unter Selbstbewusstsein das eigene Selbstwertgefühl, dies kann mehr oder weniger ausgeprägt sein: Mensch hat entweder ein „gutes“ Selbstbewusstsein, oder auch nicht.

Eine weitere Bedeutung von Selbstbewusstsein ist das sich selbst bewusst seiende Sein. Zum anderen bezeichnet „Selbstbewusstsein“ aber auch das Bewusstsein von den eigenen mentalen Zuständen.

Meine Erfahrungen, je mehr man sich seiner selbst bewusst ist, desto ausgeprägter wird auch das eigene Selbstbewusstsein. Empfindest Du Dich als Dir Deiner selbst bewusst?

Der Mensch trifft
80 – 90% aller Entscheidungen „aus dem Bauch“.

Wenn wir davon aus gehen, dass nicht alles, was um uns passiert, bewusst wahrgenommen wird, sondern vieles einfach unbewusst irgend wo hin abgelegt wird:

Was würdest Du schätzen, wie hierbei die Größenordnungen aussehen? Also das Verhältnis zwischen dem, was wir wahr nehmen und dem, was permanent auf uns einströmt.

Anders gefragt, wie viel von dem, was in jedem Moment auf uns einströmt wird von uns wirklich bewusst wahr‑genommen und auch irgendwo in unserem Gedächtnis abgespeichert?

Nachstehend ein kurzer Überblick, ausgedrückt in der im EDV-Bereich üblichen Einheit von Bits:

Anders dargestellt:

Weniger krass wird es in Freuds „Eisbergmodell dar gestellt:

Der Teil über dem Wasser entspricht dem „bewussten Ich“, der Teil unter Wasser dem Unbewussten. Das bewusste Ich beschäftigt sich mit den Daten, den sachlichen Argumenten.

Das Unbewusste ist der Sitz von emotionalen Ur‑Erfahrungen und Ur‑Erwartungen: Angst, Freude, Vertrauen, Sympathie. Diese sind, nach Freud, zusammen mit dem Fortpflanzungstrieb, die Grundlage des menschlichen Handelns.

Anders gesagt: Der Mensch trifft 80 bis 90% aller Entscheidungen „aus dem Bauch“. Also auf der Ebene der Emotionen und nicht „im Kopf“, also mit dem rationalen Verstand. Das Wort spricht allein den Kopf an, für den Bauch ist der große Rest zuständig.

Also: Wesentlich ist gar nicht, was wir sagen, sondern wie wir es sagen.

Es gibt aber auch die andere Seite dieses Modells: Was immer wir sagen, wie wenig oder wie viel, zusätzlich zum sachlichen Inhalt gelangt eine Menge Informationen über uns und unsere Gefühle zum Empfänger.

Ein Grund mehr, mit einer positiven Grundstimmung auf den Gesprächspartner zuzugehen.

Das Material der Kommunikation
ist Verhalten jeder Art.
Paul Watzlawick

Watzlawick schreibt: „Das ‚Material’ jeglicher Kommunikation sind keineswegs nur Worte, sondern auch alle anderen paralinguistischen Phänomene (wie z. B. Tonfall, Schnelligkeit oder Langsamkeit der Sprache, Pausen, Lachen und Seufzen); Körperhaltung, Ausdrucksbewegungen (Körpersprache) usw. innerhalb eines bestimmten Kontextes umfasst – kurz, Verhalten jeder Art.“

Machen wir einen Zwischenschritt zu Präsentationstechniken. Wenn wir Vorträge oder Seminare halten, oder auch in anderer Form vor Menschen sprechen wollen/sollen. Welchen Anteil hat das gesprochene Wort am Gesamtbild der Kommunikation?

Nach einer Untersuchung von Albert Mehrabian tragen die Worte gerade einmal 7% zur Kommunikation bei:

Gesprochenes Wort                                                    7 %
Intonation/Stimme/Ton                                           38 %
Körpersprache/Gestik/Mimik                                  55 %
Gesamt                                                                  100 %

Wenn Du etwas weiter-geben willst, dann ist es zwar wichtig, was Du zu sagen hast, aber noch viel wichtiger ist Deine Stimme und die Intonation und am wichtigsten Deine Körpersprache, Gestik und Mimik.

Dies heißt jetzt nicht, dass Du nicht wissen solltest, wovon Du sprichst. Es geht in der direkten Kommunikation nur darum, dass eben bei unserem Gegenüber alles andere viel intensiver wahrgenommen wird als das, was inhaltlich vorgebracht wird.

Wenn die Kommunikation nicht direkt läuft, sondern über Medien wie Briefe oder E-Mails ist es daher umso wichtiger, inhaltlich zu bestechen, weil wir ja nicht optisch oder akustisch punkten können.

Andererseits ist bei Brief und E-Mail auch die Gefahr, missverstanden zu werden, wesentlich größer als in der direkten Kommunikation, weil eben diese 93 % nicht zur Verfügung stehen.

Etwas mehr darüber gibt es später in diesem Buch unter Nonverbale Kommunikation (Seite 2 ff).


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