Eine Familienaufstellung ist die bildliche Darstellung eines Teiles der Herkunfts- und/oder der Gegenwartsfamilie des Klienten - insofern bildlich, als Repräsentanten für die einzelnen Familienmitglieder gewählt und vom Klienten in einen vorher festgelegten Raum gestellt werden.
Nach dem Darstellen und Anerkennen des jetzigen Zustandes kann an einer Lösung systemischer Verstrickungen gearbeitet werden. Aufstellungen können bei unterschiedlichster Thematik angewandt werden, z.B.: schwierige Lebenssituation, Entscheidungsfindung.
Das Anfangsbild einer Aufstellung zeigt immer das unbewusste *Bild* des Klienten, wie er eine bestimmte Situation wahr-nimmt
Der Verlauf einer Aufstellung zeigt immer das, was im System wirkt.
Die Theorien von Hellinger & Co können wissenschaftlich nicht bewiesen werden und stoßen dadurch auf massiven Protest unterschiedlichster Menschen. Tatsache ist, dass diese Art der Arbeit bereits vielen Menschen einen Weg gezeigt hat, wie Sie an anspruchsvollen Situationen etwas ändern können.
Der Aufstellungsleiter führt mit dem Klienten (Hinweis: gilt natürlich auch für Klientinnen) ein Vorinterview, in welchem der Aufstellungsleiter erkennt, aus welcher Richtung Probleme kommen - z.B. Vater der Mutter oder kurz nach der Geburt verstorbene Schwester des Vaters, ....
Der Aufstellungsleiter wählt die aufzustellenden Personen.
Der Klient wählt die entsprechenden Repräsentanten aus der Gruppe.
Der Klient *stellt* die Repräsentanten an den unbewusst richtigen Platz, dazu legt der Klient beide Hände auf die Schultern des Repräsentanten, schließt meist kurz die Augen, konzentriert und zentriert sich - und führt danach den Repräsentanten an einen Platz im Raum.
Wenn alle Repräsentanten stehen, schaut sich der Aufstellungsleiter die Situation detailliert an, stellt sich oft auch hinter die jeweiligen Repräsentanten und spürt sich selbst hinein in die Befindlichkeit der Repräsentanten und macht sich *sein Bild* davon.
Danach wird jeder einzelne Repräsentant interviewt, wie es ihm geht, hier können Emotionen aber auch körperliche Empfindungen zur Sprache kommen.
Nach dieser ersten Runde stellt der Aufstellungsleiter einige der Personen um (bei meinen Aufstellungen ist es hier meist eine Erstverschlimmerung, um die Richtung auf zu zeigen, in welche es gehen könnte, wenn nichts geschieht).
Danach kommt wieder eine Befragung der Repräsentanten. .......
Bei meinen Aufstellungen ist es so, dass danach in einer bestimmten Reihenfolge ein Lösungsbild zustande kommt, welches von Klienten vorab als Zuschauer und erst ziemlich zum Ende selbst aktiv erlebt wird.
Nach dem Vorgespräch sucht der Klient Stellvertreter für die aufzustellenden Familien- oder Organisationsmitglieder aus. Danach kenne ich mehrere Möglichkeiten:
Der Klient nimmt jeden einzelnen an der Hand und führt ihn zu
einem Sammelplatz
oder
die Stellvertreter sammeln sich einfach so.
Der Klient legt dem Stellvertreter die Hände auf die
Schultern, sammelt sich und führt den Stellvertreter an einem Platz, der
angemessen erscheint
oder
der Klient nimmt den Stellvertreter an beiden Händen und stellt ihn an einem
geeigneten Platz, schaut ihn an und sagt *du bist jetzt .... z.B. meine Mutter*.
Auch hier habe ich mehrere Varianten kennen gelernt:
Der Aufstellungsleiter stellt eine Ordnung her
oder
der Aufstellungsleiter bricht ab, sobald die *Bewegung der Seele* sichtbar wird
oder
der Aufstellungsleiter schließt mit einem Minicoaching ab.
Der Klient dankt den Repräsentanten und diese *entrollen*
sich
oder
der Klient nimmt jeden einzelnen Repräsentanten wieder an der Hand und nennt
den realen Namen, z.B. du bist jetzt wieder .....
Manchmal genügt es, zu erkennen, dass bestimmte Verhaltensweisen von anderen Personen übernommen sind und nichts mit einem selbst zu tun haben.
Meist gehört zur Lösung des Problems noch zusätzlich, dass der Aufstellungsleiter
den bisher nicht durchgeführten Ausgleich zwischen den damals beteiligten Personen (bzw. deren jetzigen Repräsentanten) nachholt - die Balance wieder herstellt
die Ordnung betreffend der Positionierung einzelner
Mitglieder innerhalb der Familie und/oder Generationen wieder herstellt
die notwendige Bindung jedes einzelnen Familienmitgliedes an das
Herkunftssystem unterstützt - die Basis für ein neues und/oder
verbessertes Gefühl der Zugehörigkeit schafft.
Wenn Sie planen, eine Aufstellung zu machen, sollten Sie sich vorher schon etwas mit *Ihrem System* beschäftigen, Daten organisieren, welche die einzelnen *unten angeführten* Teile Ihres Herkunfts- und Gegenwartssystems betrifft. Egal, welchen Teil Sie dann einmal aufstellen. Wichtig ist, dass Sie alle Daten zusammen tragen und möglicherweise vorab schon ein Genogramm zeichnen.
Oft genügt auch schon die Beschäftigung mit *Allen, die dazu gehören*, um eine Änderung herbei zu führen, um mehr, oder auch einfach klarer, zu sehen, zu erkennen, wer alles dazu-gehört.
Zusätzlich zu unten angeführten Personen sind noch folgende Personen zu berücksichtigen:
Kinder, einschließlich der totgeborenen und verstorbenen (selten wirken abgetriebene Kinder in einem Familiensystem. Die wirken meist nur in der jeweiligen Beziehung)
eventuell weiter zurückliegende Ahnen, wenn sie ein besonders schweres Schicksal hatten
Alle, die zum Vorteil der "echten" Mitglieder Platz gemacht haben:
z.B. frühere Partner von Eltern und Großeltern
Alle, die einen großen Beitrag zum Weiterbestand der Familie geleistet haben
Opfer, welchen von früheren Mitgliedern der Familie Gewalt angetan wurde, oder welche ermordet wurden.
ist die derzeitige Familie, d.h. (Ehe)Partner und Kinder, wobei hierbei auch alle Beziehungen zu berücksichtigen sind, welche Bedeutung hatten - dies können einerseits kurze aber tiefgreifende sexuelle Eskapaden sein - oder auch lang dauernde, aber unsexuelle Beziehungen.
Abweichend von der Gegenwartsfamilie gehören hierzu die Eltern des Klienten, ihre/seine Geschwister, und meist zumindest der momentan aktuelle Teil der Gegenwartsfamilie.
Zur Herkunftsfamilie gehören die Eltern und deren
Geschwister, beide Großeltern und deren Geschwister, sowie alle oben
angeführten Sonderfälle.
Um sich etwas intensiver mit Ihrem Familiensystem zu beschäftigen, können Sie
im nächsten Kapitel Ihr eigenes Genogramm zeichnen.